Lebensqualität, Standortfaktor, Wirtschaftsfaktor
Dass Wander- und Radwege, Museen, Restaurants, Bäder und Ausflugsziele Ostwestfalen-Lippe für Ausflugs- und Urlaubsgäste attraktiv machen und zugleich die Lebensqualität der Einwohnerinnen und Einwohner steigern, liegt auf der Hand. „Eine attraktive Freizeitinfrastruktur ist außerdem bei der Gewinnung von Fachkräften für die Unternehmen in unserer Region ein echtes Plus“, erklärt Meinolf Haase, Landrat des Kreises Lippe und Vorsitzender des Fachbeirats Tourismus der OstWestfalenLippe GmbH. Wie stark die Freizeit- und Tourismusbranche darüber hinaus zur Wertschöpfung und zum Steueraufkommen in OWL beiträgt, belegt nun die Studie „Wirtschaftsfaktor Tourismus“ der dwif-Consulting GmbH (dwif). „Diese Studie ist wichtig, weil sie die wirtschaftliche Bedeutung der zuweilen in unserer Region noch unterschätzten Tourismusbranche eindrucksvoll belegt. Allein 3,3 Milliarden Euro Jahresumsatz durch den Tourismus sprechen eine deutliche Sprache“, betont Haase.
Mehr Umsatz durch Tagesreisende als durch Übernachtungsgäste
Die Experten des dwif als Autoren der Studie ermittelten für das Jahr 2025 insgesamt 66,5 Millionen Tagesreisen, die damit knapp 57 Prozent des Gesamtumsatzes oder rund 1,9 Milliarden Euro ausmachen. Die für diesen Zeitraum erfassten 17,2 Millionen Übernachtungen machen einen Anteil von gut 43 Prozent am Gesamtumsatz oder 1,4 Milliarden Euro aus. Erfasst sind dabei nicht nur Übernachtungen der amtlichen Statistik, sondern auch solche durch Verwandten- und Bekanntenbesuche sowie in Betrieben unter 10 Betten wie Ferienwohnungen oder Privatquartiere.
Einzelhandel und Dienstleistungsbranchen profitieren stark
Vom Gesamtumsatz entfallen rund 1,5 Milliarden Euro auf das Gastgewerbe, gut 1 Milliarde Euro auf den Einzelhandel und 787 Millionen Euro auf sonstige Dienstleistungen, wie Eintritte, ÖPNV und Tagungsangebote.
Wertschöpfung und Arbeitsplätze, die in der Region bleiben
Die touristische Wertschöpfung – das Einkommen, das aus diesen Umsätzen in der Region entsteht, also Löhne, Gehälter und Gewinne – sichert einen Umfang von rund 48.200 Einkommensäquivalenten – weil viele Beschäftigte aber in Teilzeit oder saisonal arbeiten, profitieren tatsächlich noch deutlich mehr Menschen davon. Und die damit verbundenen Arbeitsplätze sind standortgebunden und damit nicht verlagerbar.
305 Millionen Euro Steueraufkommen
Wo Geld verdient wird, fließen auch Steuern in die Kassen der öffentlichen Hand. Allein aus vorsteuerbereinigter Mehrwert- und Einkommensteuer resultiert ein Steueraufkommen von rund 305 Millionen Euro. Hinzu kommen noch Gewerbe-, Grund- und Zweitwohnungssteuer sowie Kurtaxe und Tourismusabgabe, wovon kommunale Haushalte ebenfalls profitieren.
Höhere Umsätze, aber nicht alle Werte im Plus
Vergleicht man die aktuelle Studie mit einer früheren Erhebung für das Jahr 2019, zeigt sich: Der Umsatzzuwachs geht überwiegend auf gestiegene Ausgaben der Gäste vor Ort zurück. Zuwächse verzeichnen alle vom Tourismus profitierenden Branchen mit Ausnahme des Einzelhandels, wo Verlagerungen ins Online-Geschäft ein wesentlicher Faktor sind. Die Zahl der Tagesreisen sank um rund 12 Prozent – laut dwif eine direkte Folge von Inflation und sinkendem Konsumbudget im besonders aktivitäts- und preissensiblen Tagesausflugsverkehr und laut dwif ein bundesweiter Trend.
Auch das Einkommensäquivalent von 48.200 Personen liegt mit etwa 10 Prozent unter dem Wert von 2019. Dahinter stehen auch sichtbare Veränderungen in der Branche: Wegen fehlender Fachkräfte schränken Betriebe im Gastgewerbe ihre Öffnungszeiten ein oder müssen Anfragen für Feierlichkeiten oder Events ablehnen. Auch dies entspricht laut dwif einem bundesweit vergleichbaren Muster.
„Diese Zahlen sind ein klarer Auftrag: Wir wollen nicht nur weitere Gäste gewinnen, sondern vor allem auch qualitativ wachsen, also mehr Wertschöpfung pro Gast generieren. Investitionen in touristische Infrastruktur und die Vermarktung der Region zahlen sich aus – in Euro und Cent für viele Branchen, durch zusätzliche Steuereinnahmen für die Kommunen und durch eine höhere Lebensqualität für die OWLerinnen und OWLer“, so Markus Backes, Geschäftsführer der OstWestfalenLippe GmbH und Leiter des Teutoburger Wald Tourismus.
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